Gesundheitsbildung in El Salvador

Autoren: Lukas Minder (30, Arzt), Eveline Tissot (29, Ärztin) in der Weiterbildung ‘’Hausarztmedizin’’

Während unseres Aufenthalts bei Consciente El Salvador erhielten wir Einblick ins salvadorianische Gesundheitssystem. Wir konnten uns mit Delegierten des Gesundheitsministeriums austauschen, Aerzt*innen bei der Arbeit über die Schulter zu schauen und nicht zuletzt mit Patient*innen und deren Angehörigen reden. Wenn sich die Leute in etwas einig sind, dann darin, dass es in El Salvador an allem Wesentlichen fehlt – aber nicht an Problemen. Für Leute aus ruralen Gebieten ist bereits der Weg zum nächsten Gesundheitszentrum finanziell wie auch organisatorisch eine Herausforderung. Hat man die Möglichkeit, einen Arzt aufzusuchen, dauert es meist sehr lange, bis man einen Termin bekommt (an den der Arzt dann auch erscheint). Wegen des ausgeprägten Mangels an Spezialist*innen und Ressourcen im öffentlichen Gesundheitswesen haben nur finanziell privilegierte Menschen Zugang zu qualitativ akzeptabler medizinischer Versorgung. Die Mehrheit aber mit dem personell und materiell schlecht ausgestatteten öffentlichen Spital auskommen und oft monatelang auf einen simplen Sprechstundentermin warten.

Würde man nur diese Seite von El Salvador betrachten, könnte man direkt daran verzweifeln. Doch es fehlt der wichtigere Teil der Betrachtung. Denn trotz der unzähligen Probleme hat das Land ein riesengrosses Potenzial: seine sozial motivierten und unermüdlich engagierten Menschen. Diese Leute, selber aus marginalisierten Verhältnissen stammend, organisieren sich, bilden sich weiter, besuchen Workshops, machen ein Studium, all dies mit einem Ziel: den Leuten zu helfen, welche es noch schwieriger haben als sie selbst. Sie wollen die Gesellschaft zu einer gerechteren, die Welt zu einem schöneren Ort machen – für alle statt nur für wenige. Diese Motivation ist nicht zuletzt das Resultat der Nachhaltigkeitsbildungsprojekte von Consciente: In verschiedenen Kursen werden die Leute auf die Ursachen der Ungerechtigkeiten – beispielsweise in Genderfragen – aufmerksam gemacht und befähigt, selber aktiv zu werden und eine bessere Zukunft für sich und ihre Kinder aufzubauen.

 

     

’Motivation ist ansteckend’’ – In Bezug auf Gesundheitsfragen, so wurde uns oft gesagt, herrsche sehr viel Unwissen. Weder sind Risikofaktoren für vermeidbare Gesellschafts- und Infektionskrankheiten bekannt, noch kennen die Leute die Symptome, bei deren Auftreten sie unbedingt eine Ärztin aufsuchen sollten. So leiden viele an chronischen Krankheiten, denen leicht vorzubeugen wäre oder die mithilfe einer Fachperson einfach zu behandeln wären. Ein Besuch beim Arzt erfolgt meist zu spät – wenn überhaupt. So ist nach mehreren Gesprächen mit betroffenen Angehörigen, Ärztinnen und Consciente-mitarbeiter*innen in El Salvador die Idee entstanden, im Rahmen der bereits bestehenden Nachhaltigkeitsbildung Workshops zu präventiv-medizinischen Themen anzubieten. Das Ziel war es, Wissen zur Prävention von gängigen Krankheiten zu verbreiten und den Menschen Mittel an die Hand zu geben, ihre gesundheitliche Situation selber einzuschätzen. Wir verstehen diese Workshops als wichtigen Schritt hin zu einer Bildung zur Selbstverantwortung, zu einer nachhaltigen Gesellschaft und zu gleichberechtigtem Zugang zu Wissen auch im medizinischen Bereich. Denn wer krank ist, wird immer benachteiligt sein und wird nicht die Kraft haben, seine Gesellschaft zu einer besseren zu machen. In diesem Sinne gehört aus unserer Sicht zu einer nachhaltigen Bildungsarbeit die Gesundheitsbildung zweifellos dazu.

Consciente’s Projekt für Gesundheitsbildung

Consciente bietet seit neustem Workshops und Weiterbildungen zu Themen der präventiven Medizin und der Selbstverantwortung in Gesundheitsfragen an. Wir sind auf der Suche nach Spenderinnen, Spendern und Projektpartnern, die dieses Projekt unterstützen wollen.