Erfahrungsbericht von Bernaldino, ehemaliger Consciente-Stipendiat

Autor: Bernaldino (25), Absolvent in Mathematik und ehemaliger Consciente-Stipendiat

Übersetzung: Sales Hollinger

Ich wurde in einer ländlichen Region geboren, auf einem Berg fernab der Stadt – einem Ort, wo auch heute noch junge Menschen kaum Möglichkeiten haben, an der Universität zu studieren. Vor zehn Jahren wurde mir der Fuss amputiert, und keine drei Wochen später verliess ich mein Zuhause auf der Suche nach einer besseren Ausbildung. Ich arbeitete und studierte fünf Jahre lang in einer kleinen Stadt namens Yamabal, wo ich die Grund- und Sekundarschule absolvierte. Ende 2015 entschied ich mich, meine Ausbildung fortzusetzen, obwohl ich in den letzten Monaten des Jahres keinerlei finanzielle Unterstützung erhielt. Ich arbeitete daher noch mehr, um Geld zu sparen und im darauffolgenden Jahr das Studium zu beginnen.

Ein Jahr später erhielt ich dann die Nachricht, dass ich die Zulassungsprüfung zur besten Uni meines Landes, der Universidad Nacional, bestanden hätte. Zum lachenden gesellte sich ein tränendes Auge, denn ich musste in eine Stadt ziehen, in der das Leben sehr teuer war. Tatsächlich waren meine Ersparnisse bereits zwei Wochen nach Unterrichtsbeginn erschöpft. Ich übernahm neben dem Studium einige Malerarbeiten in einer anderen Stadt, wo ich niemanden kannte, und so hielt ich mich eher schlecht als recht über Wasser. Eines Tages dann erzählte mir Melissa, eine Klassenkameradin, von Consciente: einer Stiftung, die mittellosen Jugendlichen finanzielle Unterstützung bietet und ihnen so ein Studium ermöglicht. Sie selber erhalte bereits ein solches Stipendium. Am darauffolgenden Tag reiste ich nach Gotera, wo Consciente seinen Sitz hat, und bewarb mich für ein Hochschulstipendium. Bald riefen sie mich an und teilten mir mit, dass das Stipendium für mich genehmigt wurde, dass ich eine Patin namens „Lissi“ hätte, die, ohne mich zu kennen, an mich glaube und mir finanzielle Unterstützung gewähren möchte. Von da an hatte ich genug Geld für mein Studium und konnte mit meinem Nebenjob sogar meine Mutter und meinen kranken kleinen Bruder ein wenig unterstützen.

Das Stipendium war für mich nicht nur eine grossartige Erfolgsgeschichte, sondern auch Ausdruck von einer besonderen Liebe, die ich empfangen durfte. Da gibt es Personen, die anderen, ihnen unbekannten Menschen dabei helfen, ihre Träume zu verwirklichen. Während der drei Jahre meines Stipendiums fühlte ich mich aufgehoben wie in einer Familie, denn die Mitarbeitenden von Consciente sind äusserst freundlich und liebevoll und waren jederzeit für mich da.

Ich liebte es, meine Sozialstunden zu leisten, die ich mit Kindern meiner Gemeinde verbrachte. Zusammen schufen wir Kunstwerke aus Recyclingmaterial. Dabei verarbeiteten wir sagenhafte 5’000 Plastiktüten, die in meiner Gemeinde entsorgt werden sollten – anstatt der ursprünglich vorgesehenen 2’000!

Nun bin ich Mathematiklehrer, und dies verdanke ich sowohl meiner Patin Lissi als auch Consciente, und natürlich auch meinem eigenen Einsatz. Das macht mich glücklich und dankbar. Doch bin ich mir auch bewusst, dass ich eine zumindest ebenso grosse Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft habe; die Ausbildung von Hunderten von Studierenden liegt in meiner Verantwortung und deshalb versuche ich, mich jeden Tag zu verbessern. Das Stipendienprogramm hat hier im Departement Morazán einen großen Einfluss auf die Bildung der Menschen, denn in den kommenden Jahren wird es dank der vielen Spender*innen nicht nur zwei, sondern Dutzende von ausgebildeten jungen Fachleuten in unterschiedlichen Bereichen geben, die die Gesellschaft auf ihre je eigene Art weiterbringen werden.

Consciente Stipendienprogramm – so funktioniert’s

Im Stipendienprogramm von Consciente ermöglichen Paten und Patinnen aus der Schweiz und Deutschland engagierten jungen Menschen aus armen Verhältnissen im Departement Morazán eine technische oder universitäre Ausbildung.

Finanzielle Unterstützung: Das von den Patinnen und Paten übernommene Stipendium in Schweizer Franken entspricht dem Betrag in US-Dollar, den die Jugendlichen monatlich ausbezahlt bekommen.​

Soziales Engagement: Die Stipendiatinnen und Stipendiaten leisten jährlich 100-180 Sozialstunden in einem der Projekte von Consciente oder in einem eigenen Projekt in ihren Gemeinden.

Briefkontakt: Bei der persönlichen Patenschaft können die Patinnen und Paten den Briefkontakt mit ihrer Stipendiatin bzw. ihrem Stipendiaten pflegen.

Stipendien/Patenschaften

  • Patenschaft für technische oder akademische Ausbildung
    80-150 CHF pro Monat
    Dauer: 2-6 Jahre (Medizin: 8 Jahre)
  • Teilstipendien
    25-75 CHF pro Monat
    Dauer: 2-6 Jahre​