Consciente 2016 – persönliche Eindrücke

Wieder ist ein Jahr im Proyecto CONSCIENTE vorüber – ein Jahr voller persönlicher und kollektiver Herausforderungen und Erfolge. Um einen Rückblick auf das Jahr 2016 zu geben werden wir hier die Menschen, die mit uns zusammenarbeiten, zu Wort kommen lassen und sie von ihren persönlichen Errungenschaften und Erfahrungen mit CONSCIENTE berichten lassen.

 

Gricelda Carolina Vásquez Veliz 

Stipendiatin seit 2016, Educadora Popular, Mitglied der Juventud Consciente

Nun geht mein erstes Jahr als CONSCIENTE-Stipendiatin schon zu Ende. Ich habe so viele neue Dinge erlebt und Menschen getroffen, dass ich gar nicht alles erzählen kann! Ein absoluter Höhepunkt war aber der Besuch in der Organisation Los Angelitos, die sich um Kinder mit Behinderung kümmert. Zusammen mit anderen Stipendiat_innen durften wir drei Tage lang die dortige Arbeit begleiten. So fuhren wir auf Hausbesuch, halfen beim Sprachförderunterricht, sahen bei der Physiotherapie zu oder spielten mit den Kindern und Jugendlichen. Diese Reise hat mich tief beeindruckt. Beim ersten Treffen der CONSCIENTE-Jugend durften wir von unserer Erfahrung in Los Angelitos erzählen und eine Diskussion über das Tabuthema Behinderung und die damit verbundene Stigmatisierung führen. Das war sehr spannend und motivierte die anderen Jugendlichen sehr. Jetzt treffen wir uns regelmässig und versuchen die Menschen für wichtige Themen zu sensibilisieren.
Ich bin sehr dankbar für die finanzielle Unterstützung im Studium und freue mich, dass ich im Förderunterricht den zukünftigen Stipendiat_innen von Consciente helfen konnte, ihrem Traum ein wenig näher zu kommen. Als Studentin der Erziehungswissenschaft konnte ich ausserdem selbst profitieren und Unterrichtserfahrung sammeln. Dies wird mir helfen, einmal eine gute Lehrerin zu werden.

 

Christoph Kühnhanss 

Ehemaliger Unternehmer, jetzt Soziologiestudent in Bern und seit Januar 2016 Pate der Mathematikstudentin Melissa

Wenn einer in der Schweiz geboren ist, hier ganz gut gelebt hat und schon ein bisschen in die Jahre gekommen ist, dann hat er sich meistens in einem weichen Bett aus Bequemlichkeit und Hedonismus eingerichtet und blickt mit einer Mischung aus Melancholie, Betroffenheit und Zynismus in die Welt, froh darüber, es so gut getroffen zu haben.
In etwa dieser Verfassung habe ich mich an der Uni Bern eingeschrieben, um Soziologie zu studieren. Wozu? Für gar nichts. Ein hedonistischer Egotrip. Doch dann kam alles anders!

Ich habe Tina getroffen, Soziologie-Studentin, aber gar nicht wie ich. Sie hat Werbung gemacht für eine junge Frau in El Salvador, die studieren will und nicht kann. Ja, kein Geld. Tina hat mir mit Riesen-Begeisterung von CONSCIENTE erzählt und von dieser jungen Frau, die mit ihrer Mutter in einer armseligen Wellblechhütte wohnt – und nach nicht ganz fünf Minuten war ich Pate von Melissa.
Seither stehe ich in regem Kontakt mit ihr, wir schreiben E-Mails. Melissa ist unglaublich herzig, sie ist unglaublich dankbar. Sie erzählt mir etwa von der „flor de izote”, einer essbaren Riesenblüte, die in Morazán wächst oder von den Nachhilfestunden für Maturanden, die sie gibt – und von ihrer Mutter, ohne die sie sich das Leben nicht vorstellen könne!
Und siehe da, mein Studium – als selbstgefälliger Egotrip geplant – hat eine ganz neue Dimension bekommen. Im Rahmen meiner Masterarbeit werden wir eine empirische Studie über die Wirkungskraft der CONSCIENTE-Workshops durchführen.
Melissa hat mich eingeladen, nach El Salvador zu kommen. Sie und ihre Familie werde mich „con brazos abiertos” – mit offenen Armen – empfangen. Ihre Mama will „flor de izote” ausbacken und alle möglichen Sachen kochen, die ich bestimmt nicht kenne. Ich muss also los, das Flugticket kaufen…

Der vollständige Text kann hier nachgelesen werden.

 

Guadalupe Milagro Reyes

Stipendiatin, Educadora Popular, Mitglied der CONSCIENTE-Jugend

Anfang dieses Jahres nahm ich an der Ausbildung zur Educadora Popular teil, die vom CONSCIENTE-Team durchgeführt wurde. Dies war für mich persönlich ein grossartiges Erlebnis, da ich durch das intensive gemeinsame Lernen mit anderen jungen Menschen nach und nach lernte, mich freier auszudrücken und so meine sonst sehr schüchterne Art etwas ablegen konnte. Heute kann ich sogar ohne Probleme vor einer Gruppe Menschen reden und die wichtigen gelernten Inhalte weitergeben. Auch habe ich neue Freundschaften geschlossen. Ich hoffe sehr, dass dieses Programm im nächsten Jahr weitergeführt wird und weitere junge Menschen mitmachen, damit das Team der Educadores weiter wächst und wir immer mehr erreichen können!
Auch am Jugendkongress durfte ich teilnehmen. Dort haben mir neben den interaktiven Workshops vor allem die tollen kulturellen Beiträge gefallen. Es kam sogar ein Komiker aus Kolumbien, der uns die ganze Nacht zum Lachen brachte. Das war wirklich sehr lustig! Der Kongress war eine ganz neue Erfahrung für mich und ich habe viele aufregende Erinnerungen an diese drei Tage, die ich mit anderen Jugendlichen aus dem ganzen Kanton verbracht habe.
Mein ganz persönlicher Triumph von diesem Jahr ist der Abschluss des Gymnasiums als Drittbeste meiner Klasse. Auf meine Leistung bin ich sehr stolz und auch darauf, alle Erfordernisse für mein Stipendium erfolgreich erfüllt zu haben. Ich danke Gott, dass ich die letzten drei Jahre Teil der CONSCIENTE-Familie sein durfte!

 

Otto Härö aus Finnland

Internationaler Freiwilliger von Januar bis März 2016

Was mir als CONSCIENTE-Freiwilliger am besten gefiel, war die kooperative Atmosphäre dort. In CONSCIENTE macht man die Dinge zusammen. Zwar hatte ich mit dem Englisch- und Kunstunterricht für Grundschulkinder mein eigenes kleines Projekt, aber die Menschen um mich waren immer da, um mich bei der Unterrichtsplanung zu unterstützen und nahmen stets an meinen persönlichen Erfolgen und Frustrationen Anteil.
In El Salvador macht man die Dinge eben einfach zusammen. Hier ein Beispiel: Einmal machten wir einen Tagesausflug an den wunderschönen Sapo-Fluss. Natürlich nahmen wir alle Zutaten mit, um vor Ort eine Bohnensuppe zuzubereiten. Als wir ankamen, bildeten sich dann auch sofort Gruppen: einige begannen, die Bohnen vorzubereiten und andere suchten Feuerholz. Dieser Zusammenhalt und die uneingeschränkte Wärme, die mir in El Salvador zuteilwurde, machten grossen Eindruck auf mich. Und die Bohnensuppe schmeckt viel besser, wenn man sie gemeinsam zubereitet hat!

Der vollständige Text kann hier auf Englisch nachgelesen werden.

 

Jasael Santos Torres Montiel

Hauptkoordinator CONSCIENTE, El Salvador

Als Hauptkoordinator von CONSCIENTE El Salvador bin ich stolz und zufrieden mit allem, was wir bisher geschafft haben. Doch natürlich gibt es noch viel zu tun. Ich bin der Überzeugung, dass wir unsere bisherigen Errungenschaften noch übertreffen und als Team viel Grossartiges erreichen können.
Ich habe mich selbst immer als sozialen Kämpfer verstanden und CONSCIENTE ist für mich das zentrale Instrument geworden, viele meiner Träume Realität werden zu lassen. So ist die Arbeit im Projekt mehr als nur eine Arbeit für mich – sie deckt sich mit den Träumen und Visionen, die mich schon lange begleiten und wohl immer begleiten werden.

Hier gehts zum spanischen Jahresbericht von Jasael.