Genderprojekt an Gymnasien

Dank der Partnerschaft mit der AVINA Stiftung konnten wir Ende 2016 das Gender-Projekt an Gymnasien erfolgreich abschliessen. Hier ein Teil unseres Abschlussberichts:

 

15

JUNGE FRAUEN UND MÄNNER WURDEN ZU WORKSHOPLEITER_INNEN AUSGEBILDET

92

SCHULKLASSEN HABEN AN DEN GENDER-WORKSHOPS TEILGENOMMEN

2400

JUGENDLICHE KONNTEN ERREICHT WERDEN

 

 

 

Kurzbeschrieb des Projektes

El Salvador und insbesondere das ländliche Departement Morazán zeichnet sich durch eine ausgeprägte Ungleichheit der Geschlechter aus: Gewalt, Unterdrückung und Diskriminierung gegen Frauen und Mädchen gehören in der von „machismo“ und traditionellen Rollenbildern geprägten Gesellschaft zur Tagesordnung. Das Gender-Projekt an Gymnasien hat die Jugendlichen zu einer kritischen Diskussion und Reflexion der vorherrschenden Geschlechterverhältnisse angeregt und konnte so einen kleinen Beitrag zu einer Welt leisten, in der es allen möglich ist, sich unabhängig vom Geschlecht als Mensch zu entfalten. 15 junge Frauen und Männer führten, nachdem sie in kreativ-kritischer Pädagogik und in der Gender-Thematik ausgebildet wurden, Gender- Workshops mit 92 gymnasialen Schulklassen durch.

 

Resultate

Im Rahmen des Genderprojekts an Gymnasien wurden 15 junge Männer und Frauen in kreativ-kritische Pädagogik (Educación Popular) und in die Genderthematik eingeführt. Dazu wurden eine Ausbildungswoche, ein dreitägiges Ausbildungs-Camp und drei Weiterbildungstage organisiert. Dank der Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium (MINED) konnten diese «Educadores Populares» jeweils zu zweit mit 92 Schulklassen an fünf Gymnasien im Departement Morazán Genderworkshops durchführen. Somit haben ca. 2400 Schülerinnen und Schüler während jeweils drei Doppelstunden über die Themen (1) «Género y Sociedad: La construcción social del género y las relaciones de poder» und (2) «Género y Sexualidad: ¿Qué es una sexualidad integral?» diskutiert und zugleich erste Erfahrungen mit kreativ-kritischen didaktischen Methoden («Educación Popular») gemacht. Ausserdem wurde an allen fünf Gymnasien eine kulturelle Abschlussveranstaltung mit einer Theateraufführung zum Thema «Gewalt gegen Frauen» und einer Diplomübergabe organisiert. Die Einsätze an den Gymnasien wurden von knapp 20 Zwischenevaluationssitzungen mit den «Educadores Populares» begleitet und mit einer Abschluss- und Evaluationsreise zur «Ruta de las Flores» abgeschlossen.

 

Die Perspektive der Teilnehmenden

Die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten bewerteten die Workshops fast ausschliesslich sehr positiv und bekundeten vielfach, dass die Auseinandersetzung mit der Thematik neu, spannend und lehrreich gewesen sei. Dies kommt etwa in Aussagen wie den Folgenden zum Ausdruck:

“He aprendido mucho acerca de la sexualidad, genero, poder, sexo y otros conceptos importantes que a veces nos confundimos.”

„[Estoy] feliz porque es raro que en estos tiempos vengan a darnos esta información y más que nadie la toma como se debería.“

Viele verstanden die Workshops zudem als Handlungsaufforderung für ihr alltägliches Leben, was folgende Aussagen verdeutlichen:

“Hemos aprendido mucho y considero que son unas charlas muy buenas como también que debemos dejar de un lado el machismo que hay en la sociedad actualmente.”

“Me alegra conocer más de las costumbres malas existentes en la sociedad y cuál es la razón buena de poderlas cambiar.”

Theateraufführung zum Thema „Gewalt gegen Frauen“ am Abschlussevent am Gymnasium von Osicala

 

Die Perspektive der «Educadores Populares»

In der Abschlussbefragung brachten alle Workshopleiterinnen und -leiter zum Ausdruck, dass die Mehrheit der Jugendlichen ein grosses Interesse für die Workshop-Inhalte gezeigt hätte. Folgende Aussage verdeutlicht dies gut:

“El interés que prestaron los jóvenes fue mucho porque no conocían nada con respecto a los temas impartidos.“

Die “Educadores Populares” hatten ohne Ausnahmen den Eindruck, dass die Workshops bei vielen Jugendlichen – wenngleich nicht bei allen – eine Veränderung bewirkt hätten. Hier einige Aussagen, die dies zum Ausdruck bringen:

“La experiencia fue una de las mejores que he tenido como joven. Creo haber logrado un cambio en otros tras esta hermosa experiencia, en la cual no solo impartimos lo que nos enseñaron sino también aprendimos como trabajar en equipo con otros jóvenes y dejar nuestras diferencias para socializar con otros.”

“Pues en algunos casos al iniciar los talleres algunos no prestaron atención pero en la medida avanzaba brindaron puntos de vista y al final de los talleres les quedaron claras muchas cosas y su forma de comportarse fue diferente.”

“En cada encuentro se notó más el interés y como, paso a paso, cambiaron su forma de pensar, su forma de expresarse acerca del tema y se notó que ya no sentían pena y tomaron más confianza para preguntar y expresarse dentro del aula de clases ya que la barrera más grande es la diferencia de pensamiento…”

 

Ausblick

Das «Genderprojekt an den Gymnasien» war insgesamt gesehen ein riesiger Erfolg. Seine Reichweite hat jene vorangehender Projekte im Rahmen unseres Bildungsprogramms bei Weitem übertroffen. Das Genderthema hat Eingang in das Bewusstsein vieler Jugend gefunden. Eine der «Educadores Populares» meinte entsprechend:

“Fue un proyecto que ha valido mucho la pena, ha servido mucho debido a que influimos en jóvenes de la zona de Morazán, a que aprendieran y valoren la equidad de género, y a que se dejen de menos los estereotipos que se inculcan dentro de nuestra sociedad.”

Das Gender-Projekt hat aber viele Erwartungen geweckt: Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, das Bildungsministerium und insbesondere die «Educadores Populares» hoffen auf eine Fortsetzung und Ausweitung der Workshops. Das Projekt war für die Beteiligten und insbesondere auch für das Koordinationsteam eine sehr positive und lehrreiche, aber auch äusserst herausfordernde Erfahrung.

Aufgrund der guten Erfahrungen mit dem Genderprojekt möchten wir dieses 2017 weiterführen, anpassen und ausbauen. Zusätzlich zur Genderthematik soll neu auch das Thema «Umwelt» behandelt werden. Unser Ziel besteht darin, ein kantonales Netzwerk von 30-40 «Educadores Populares» zu schaffen, durch welches an Gymnasien und in Jugend- und Gemeindeorganisationen Workshops zu den beiden Themen durchgeführt werden. Die Wirksamkeit der Workshops soll in Zusammenarbeit mit der Universität Bern in einer «Randomized Controlled Trial»-Studie überprüft werden.