CAL-IMPACT

Das CAL-Projekt

Interaktiver Mathematikunterricht in El Salvador

Worum geht es?

Bildung ist ein wirksames Instrument zur Bekämpfung von Armut. Sie ermöglicht es den Menschen, ihre eigene Zukunft und die ihrer Gemeinden selbst in die Hand zu nehmen und schafft damit die Grundlage für einen nachhaltigen Entwicklungsprozess. Während sich der Zugang zu Bildung in den letzten Jahren in fast allen Ländern massiv verbessert hat, bleibt die Bildungsqualität im globalen Süden oft erschreckend tief (World Development Report 2018). Auch El Salvador hat mit einem stark defizitären Bildungssystem zu kämpfen. Die Lehrpersonen sind oft fachlich und didaktisch ungenügend ausgebildet und mit den grossen und heterogenen Klassen überfordert. So können viele Jugendliche nach Abschluss der Grundschule kaum lesen, schreiben oder rechnen.

Unser neues Projekt „CAL-IMPACT“ zeigt, dass junge Lehrpersonen in El Salvador – mit geeigneten Hilfsmitteln und guter Vorbereitung und Begleitung – durchaus in der Lage sind, Kinder fürs Lernen zu begeistern. Das Projekt fokussiert auf die Mathematikfähigkeiten von Kindern der 3. bis 6. Klasse und kombiniert die Verwendung einer Computer-Software mit Spielen, Gruppenarbeiten und Werkstattunterricht.

Dank des Impact Evaluation Award der DEZA wurde CAL-IMPACT im Pilotjahr 2019 in Zusammenarbeit mit der Universität Bern sorgfältig und wissenschaftlich evaluiert. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Mathematikkompetenzen der Schulkinder aufgrund des Projekts signifikant und substantiell verbessert haben.

Erfolgreicher Projektstart im April 2018

Nachdem über 700 Computer gesammelt und verschifft und 40 Lehrpersonen sorgfältig vorbereitet wurden, konnte das Projekt am 16. April 2018 im ganzen Departement Morazán starten: 2400 Kinder an 29 verschiedenen Grundschulen im ländlichen Nordosten von El Salvador werden in diesem Jahr erstmals an zusätzlichem Mathematikunterricht teilnehmen, der auf innovativen pädagogischen Methoden beruht. Mithilfe der Software „Khan Academy“ können die Schülerinnen und Schüler an zwei Nachmittagen pro Woche ihrem Niveau entsprechende Lernvideos schauen und Übungen lösen. Die Zeit am Computer wird durch Gruppenarbeiten und Spiele ergänzt, damit auch das gemeinsame Lernen nicht zu kurz kommt.

Die Eindrücke zum Projektstart sind berührend: Sowohl das Bildungsministerium als auch die Kinder und ihre Eltern machen mit grosser Begeisterung mit. Einer der Consciente-Lehrer bringt seine Erfahrungen im CAL-Projekt („Computer Assisted Learning“) gut auf den Punkt: „In den letzten Tagen habe ich etwas Zentrales verstanden: dass Lernen nicht langweilig sein muss“.

Weiterführung und Ausbau ab 2019

Aufrund der positiven Evaluationsergebnisse soll das Projekt mindestens bis 2022 weitergeführt werden. Dabei wird es um eine weitere zentrale Komponente ergänzt: die fachliche Weiterbildung von Lehrpersonen.

  • Zusatzunterricht für 120 Schulklassen

    2400 Schülerinnen und Schüler nahmen im Pilotjahr 2018 zweimal pro Woche an zusätzlichem Mathematikunterricht teil. Dort können sie ihre individuellen Lücken systematisch aufarbeiten.

  • Interaktives Lernen am Computer

    Mithilfe der Plattform „Khan Academy“ können die Kinder in ihrem eigenen Tempo lernen.

  • Spielerische Methoden

    Mathematik- und Konzentrationsspiele fördern die Motivation und das gemeinsame Lernen.

  • Wissenschaftliche Evaluation

    In Zusammenarbeit mit der Universität Bern wurde das Projekt im Pilotjahr 2018 wissenschaftlich evaluiert. Aufgrund der positiven Ergebnisse wird es seit 2019 fortgesetzt und ausgebaut.

40

JUNGE LEHRPERSONEN WURDEN 2018 FÜR DAS PROJEKT AUSGEBILDET.

2400

KINDER NAHMEN 2018 AN INTERAKTIVEN MATHEMATIKSTUNDEN TEIL.

+700

COMPUTER WURDEN 2018 NACH EL SALVADOR VERSCHIFFT.

+10000

UNTERRICHTSLEKTIONEN HABEN 2018 IM RAHMEN DES CAL-PROJEKTS STATTGEFUNDEN.

Luis Alonzo (24), Consciente-Lehrer im CAL-Projekt:

«Bildung ist das beste Werkzeug, um ein Land zu verändern, das in Probleme verwickelt ist. Und wenn es in unseren Händen liegt, einen Beitrag zu dieser Veränderung zu leisten – warum sollten wir es nicht tun? Ich glaube, in jedem Kind steckt etwas Grosses, das wir heute zum Wachsen bringen können, um morgen eine bessere Zukunft zu erleben. Ich habe angefangen so zu denken, als ich Teil von Consciente wurde. Alles begann mit dem Ausbildungsprozess: Ich nahm zunächst an, dass es dabei – wie ich es von anderen Orten kannte – um langweilige Informationsvermittlung gehen würde. Zu meiner Überraschung wurde aber ein grosses Erlebnis für uns alle daraus: Wir tauschten uns aus, hatten Spass und lernten viel über Mathematik und Pädagogik. Vor allem habe ich in dieser Lebensetappe aber verstanden, dass wir nicht nur Lehrer sind, um unseren Lohn zu verdienen, sondern eine Verantwortung gegenüber unseren Kindern und unserer Gesellschaft haben. Heute beginnen wir mit dem Departement Morazán, aber die Vision geht darüber hinaus, denn unser ganzes Land braucht gleiche Chancen im Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung

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Die Evaluationsstudie

Evidenzbasierte Projektarbeit

Warum evaluieren?

Die Arbeit von Consciente orientiert sich am Ansatz „Innovate, test, then scale“. Das bedeutet, dass unsere  Projekte zunächst eine Probephase bestehen müssen, in der sie mit wissenschaftlichen Methoden sorgfältig evaluiert werden. Nur wenn sich ein Projekt als wirksam erweist, wird es weitergeführt und ausgebaut. So wollen wir sicherstellen, dass unsere Arbeit nicht nur gut gemeint ist, sondern tatsächlich die gewünschten Resultate erzielt. Das gilt auch für unser CAL-Projekt. Mithilfe einer „Randomized Controlled Trial“-Studie wurde die Auswirkung des Projekts auf die mathematischen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler gemessen. Zusätzlich wollten wir herausfinden, welche Programmvariante am besten funktioniert.

Wie sind wir vorgegangen?

Zunächst wurden 200 Schulklassen per Zufall in vier Gruppen eingeteilt: Gruppe 1 (40 Klassen) erhielt computerbasierten Mathematikunterricht mit einer Lehrperson, Gruppe 2 (40 Klassen) nahm an zusätzlichen CAL-Lektionen mit einer technischen Aufsichtsperson (ohne pädagogische Ausbildung) teil, Gruppe 3 (40 Klassen) erhielt Mathematikunterricht ohne Computer und Gruppe 4 (80 Klassen) nahm als Kontrollgruppe vorläufig nicht am Projekt teil. In allen Gruppen wurde vor und nach der Projektlaufzeit eine Mathematik-Prüfung durchgeführt. Durch einen Vergleich zwischen den Leistungen in Kontroll- und Treatmentgruppen kann die Wirkung („kausaler Effekt“) des Projekts geschätzt werden.

Wer steht dahinter?

Mit diesem Evaluationsdesign hat Consciente den mit 50‘000 CHF dotierten „Impact Evaluation Award 2017“ der DEZA und des Center for Development and Cooperation (NADEL) der ETH gewonnen. Die Evaluation wurde in Zusammenarbeit mit dem Center for Regional Economic Development und dem Institut für Soziologie der Universität Bern durchgeführt. Nach Abschluss der Studie sollen ein wissenschaftlicher Artikel und ein Policy Brief international publiziert werden. Die Ergebnisse der Evaluationstudie bilden die Grundlage für unsere zukünftige Projektarbeit.

Was sind die Resultate?

Statistische Analysen zeigen, dass sich die Mathematikkompetenzen der Schulkinder aufgrund des Projekts signifikant und substantiell verbessert haben. Dabei hat sich der computerbasierte Zusatzunterricht (Gruppen 1 & 2) als wirkungsvoller und kosteneffektiver erwiesen als traditioneller Zusatzunterricht ohne Software (Gruppe 3).  Die genauen Resultate sind dem detaillierten Evaluationsbericht der Universität Bern zu entnehmen.

Die Studie im Detail

Aymo Brunetti, Ökonomieprofessor an der Universität Bern:

«Unser Team vom volkswirtschaftlichen Institut der Universität Bern schätzt sich glücklich, bei einem so vielversprechenden Evaluationsprojekt mitwirken zu können. Nicht nur lässt sich hier mit modernen wissenschaftlichen Methoden messen, ob der softwarebasierte Unterricht (CAL) etwas bringt, sondern wir können zudem verschiedene Implementationsvarianten vergleichen. Das schafft eine verlässliche Grundlage für eine sinnvolle Politikberatung. Wenn etwa der CAL-Ansatz in El Salvador in Zukunft breiter eingesetzt werden sollte, kann unsere Evaluation helfen, die Variante mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis zu identifizieren. Dass eine so vielversprechende Evaluation realisiert werden kann, ist zuallererst dem Enthusiasmus des ganzen Consciente-Teams zu verdanken. Was mich vor allem beeindruckt ist der echte Willen dieser jungen NGO, wissenschaftlich fundiert verstehen zu wollen, ob eine Intervention wirklich funktioniert und welche Variante die beste ist.»

Projekt- und Evaluationspartner